Nun noch einmal konkret zu der Formel für die Tragfähigkeit. Sie können mit ihrem Berechnungsverfahren nur die Tragfähigkeit bestimmen, wenn die Bedingungen der Standardatmosphäre herrschen. Diese Bedingungen sind aber nie erfüllt! Das Ergebnis ist also immer nur mehr oder weniger falsch. Deshalb ist es immer richtig die realen (oder prognostizierten) Bedingungen aus einem Temp zu verwenden. Diesen Hinweis geben Sie ja zum Verfahren auf ihrer Homepage und der ist wirklich richtig wichtig. Trotzdem bleibt immer der Gradient der Standardatmosphäre in der Formel. In der der Standardatm. kommen aber z. B. keine Inversionen vor. Die gibt es dort nicht. Inversionen kommen aber quasi bei jeder Ballonfahrt vor, als Bodeninversionen oder als freie Inversionen in der Höhe. Der Ballonfahrer braucht die Bodeninversionen, weil sie den Bodenwind schwach halten und keine Thermik zulassen. Und weil eine Ballonfahrt nahezu immer von einer Bodeninversion beeinflusst wird, muss man die Tragfähigkeit gerade dafür berechnen können. Ich habe mal ein Beispiel für eine extreme Bodeninversion berechnet, um zu zeigen, wie sich die Tragfähigkeit verändert: Beispiel: Ballongröße 3700 m³(für ihren neuen Ballon), Bodendruck 1020 hPa, Temperatur -20 °C, die Bodeninversion soll ca. 500 m hoch sein, der Druck ist dort 1016 hPa, die Temperatur soll 0 °C sein. Es existiert also eine sehr kräftige Bodeninversion. Es ergeben sich folgende Ergebnisse für die Tragfähigkeit: Am Boden beim Start: Tragfähigkeit 1672 kg, (bei einer HL-Temp im Ballon von 100 °C) An der Obergrenze der Bodeninversion: Tragfähigkeit 1284 kg, wiederum bei einer HL-Temp. von 100 °C Der Tragfähigkeitsunterschied zwischen Boden und Inversionsobergrenze beträgt also 388 kg!!! Schlussfolgerung: Beim Start kommt man nicht oder sehr schlecht hoch, weil die Tragkraft mit zunehmender Höhe abnimmt. Obwohl am Boden -20 °C herrschen und eine Supertragfähigkeit am Boden da ist, darf nicht zu hoch beladen werden. Bei der Landung kommt man nicht nach unten (Phänomen des Aufschwimmens), weil die Tragkraft nach unten enorm steigt. Bei solch einem Extremfall, den ich hier beschreibe, war es sogar so, dass ein Ballonfahrer auf einem hoch gelegenem Plateau landen musste (mit nachfolgender Hubschrauberbergung), weil er nicht runter kam (er musste wieder heizen, weil er außerdem zu leicht beladen war und die Hülle sehr schlaff wurde). Diesen Extremfall gibt es nicht so oft, aber mehr oder weniger starke Bodeninversion gibt es quasi immer. Aus meiner Sicht sind das gerade die interessanten Fälle für den Ballonfahrer und genau das sollte ihr Berechnungsverfahren ermöglichen. Fährt man unter den genannten Beipielbedingungen mit einem 7000 m³ Ballon beträgt der Tragfähigkeitsunterschied zwischen Boden und Inversionsobergrenze sogar 734 kg. Das sind doch gewaltige Dimensionen! Ihr Berechnungsverfahren würde nur den Bodenwert richtig berechnen, den Wert an der Obergrenze der Bodeninversion aber falsch bestimmen, weil bei ihnen die Temperatur mit 0,65 °C/100 m mit der Höhe abnimmt, aber sie nimmt ja in Wirklichkeit zu. Ihr Berechnungsverfahren müsste die Tragfähigkeit schichtweise berechnen und die Temperaturwerte der Außenluft müsste man eben einem Temp entnehmen. Da die Berechnung sehr geht, besteht die Arbeit im Herauslesen der Werte aus dem Temp. Als Formel brauchte man nur: Tragfähigkeit= V* (roh Außenluft - roh Heißluft) Man müsste aber unbedingt für mehrere Höhen rechnen, aber das würde ja ihr Verfahren, dann mit der obigen Formel, bequem leisten. Die Höhen müsste man mit Hilfe der markanten Punkte aus dem Temp bestimmen. Man könnte auch dann über Höhenschichten integrieren usw. also etwas vereinfachen.